ALV – Vorlesungsprogramm Wintersemester 2014 / 2015

  • Terminübersicht:

23.10 „Russland verstehen – Was ist das Russische an Russland? “

06.11  Staatliche Unabhängigkeit – das Ende der ostslawischen Gemeinschaft –
Die Außenpolitik Russlands gegenüber der Ukraine und Belarus seit 1991

19.11.  Der Begriff der Natur bei Marx und Adorno

20.11. Selektive Erinnerung versus kollektives Gedächtnis: Was und warum wird in Russland erinnert?

20.11. Lateinamerika und die Menschenrechte – ein schwieriges Verhältnis? Historische und systematische Überlegungen

04.12. Mexiko als migrierendes Land. Gewalt gegen Migranten an der nördlichen Grenze zwischen Mexiko und den USA

04.12  Das Russlandbild der Deutschen

05.12  Das Problem heisst Rassismus“ zum NSU-Komplex mit seinen rassistischen Facetten

09.12  Ohnmacht und imaginäre Inszenierung. Zu einigen gegenwärtigen Erscheinungen des Verhältnisses von Natur, Individuum und  Gesellschaft.

14.01.2015  Interaktionsform und Sprachzerstörung. Die materialistische Sozialisationstheorie Alfred Lorenzers – Kritische Theorie des Subjekts

15.01. Indigenes Recht in Ecuador

21.01. Menschenrechte und die Kolonialität der Macht

Januar N.N: Krise – Bildung – Widerstand

  • Politik der Menschenrechte und Rechtfertigungsverhältnisse in Lateinamerika“

04.12.14  20 Uhr  Goldene Rose

“Mexiko als migrierendes Land. Gewalt gegen Migranten an der nördlichen Grenze zwischen Mexiko und USA”

Referentin: Dr. Lizette Jacinto (Uni Köln)

Lizette Jacinto arbeitet an dem Historischen Institut der Universität zu Köln, in der Abteilung für iberische und lateinamerikanische Geschichte. Sie beschäftigt sich mich den aktuellen Fragen der Migration, Gewalt und Menschenrechte im geopolitischen Raum der Grenze zwischen USA und Mexiko. Sie behandelt in ihrem Vortrag die Anwendung extremer Gewalt gegenüber Migranten, ihre institutionelle Geschichte und die gesellschaftliche, kulturelle und politische Folgen, die sich für beide betreffende Staaten daraus ergeben.

15.01.15  20 Uhr  Goldene Rose

“Indigenes Recht in Ecuador”

Referentin: Daniela Célleri Dipl. Soz.-Wiss.(Uni Hannover)

Daniela Célleri promoviert an dem Institut für Soziologie der Universität Hannover. Sie beschäftigt sich mit der Identitätsfrage von Auswandern der ländlichen Region von Otavalo in Ecuador. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf die Kategorie von „Indigen“: Welche Rolle spielt diese im Prozess der Selbstdarstellung und der Fremddarstellung? Welche Prozesse von Ein- und Ausgrenzung finden statt? Die Frage der Rolle dieser Kategorie wird im Vortrag im Kontext des Rechtlichen behandelt: Inwieweit kann man von einem Indigenen Recht sprechen und welche Folgen entstehen daraus?

21.01.15  20 Uhr  Goldene Rose

„Menschenrechte und die Kolonialität der Macht“

Referent: Sebastian Garbe (Uni Giessen)

Sebastian Garbe arbeitet im Institut für Soziologie im Fachbereich für Sozial- und Kulturwissenschaften der Universität Giessen. Er beschäftigt sich mit den Konzepten der Kolonialität und des kritischen Denkens in und aus Lateinamerika. Aus der Perspektive der politischen Option der Dekolonialisierung soll im Vortrag die Frage nach der Menschenrechte in Lateinamerika gestellt werden.

 

  • „Gesellschaftliche Naturverhältnisse und materialistische Kritik“

„Seit dem (Wieder)Erstarken der Thematisierung des Klimawandels nach dem medialen Verschwinden des Ozonlochs Mitte der 1990er Jahre sind Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Energiesparen, CO2-Minimierung und vor allem „gesunde“ (Bio-)Nahrungsmittel wichtige, beinah alltägliche Paradigmen der Lebenswelt. Vor einigen Jahren noch undenkbar ist das Warenangebot an Bio-Produkten, vollwertigen Lebensmitteln, ökologisch verträglichen, früher nur in der Reformhaus-Szene erhältlichen Verbrauchsprodukten bis hin zum Stromanbieter, energieneutralem Hausbau sowie Umweltinvestment für den Kleinanleger unüberschaubar gewachsen. ›Umweltbewusstsein‹ scheint mehr denn je verbreitet zu sein. Kaum ein Unternehmen leistet sich kein Umweltmanagement, Umweltschutz ist auf regionaler bis globaler Ebene eines der wichtigsten Topoi in der Politik geworden und die Konsumwelt ist ohne die Labels ›Bio‹, ›ökologisch abbaubar‹, ›CO2-neutral‹ etc. nicht mehr vorstellbar. Utopien der Nachhaltigkeit, einer „gesünderen Lebensweise“ und Dystopien der Endlichkeit der Erde begegnen einen beinah täglich. Umweltbewusstsein, nachhaltiger Konsum und darauf bezogene Wachstums- und Konsumkritik beleben nicht nur Untote wie die globalisierungskritische ATTAC-Bewegung, sondern transformieren den seine Bedürfnisse befriedigenden Normalbürger in einen ›kritischen Konsumenten‹. Der Natur was Gutes tun, ob „mit jedem Waschgang“ oder der Balkon-Tomate! Im Mittelpunkt der konsumkritischen Wohlfühl- und Bewusstseinspraxis steht ein Verständnis von Natur, in dem sie als vermeintliches Prinzip des Reinen, Guten oder Authentischen, als Gegensatz zur Gesellschaft fetischisiert wird. Was hinter der gesamtgesellschaftlichen Pseudoaktivität, ob als ›kritischer Konsument‹, als von Wellblechhütte und Subsistenz träumende Wachstumskritikerin oder moralisch richtig gepolter, grün-konservativer Altbau-Bewohner, verschwindet, ist eine Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Naturverhältnis. Die Frage, was die Zerstörung der Natur und das zügige Voranschreiten zu tatsächlichen Grenzen des Planeten, mit dem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, mit der kapitalistischen Produktionsweise und mit gesellschaftlicher Herrschaft zu tun haben könnte, stellt sich erst gar nicht. Die beschriebenen Sachverhalte stellen damit gewissermaßen den Ausgangspunkt dar, in den Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen vor dem Hintergrund einer materialistischen Gesellschaftskritik das Verhältnis von Natur und Gesellschaft näher zu beleuchten. Nachgegangen werden soll, was es überhaupt mit Natur (auch am Menschen) auf sich hat, wie das Verhältnis von Natur und Gesellschaft im Lichte der ›Dialektik der Aufklärung‹ zu begreifen ist und was dies für eine fundamentale Gesellschaftskritik jenseits der Verkürzungen von Konsumkritik und Postwachstumsbewegung bedeutet.“

09.12 – Julian Kuppe:

Ohnmacht und imaginäre Inszenierung. Zu einigen gegenwärtigen Erscheinungen des Verhältnisses von Natur, Individuum und Gesellschaft.

19.30 | Radio Corax, Unterberg 11, Halle

In gegenwärtigen Gesellschaften ist eine Gleichzeitigkeit von Dynamik und Erstarrung vorzufinden. Der dieser Erscheinung zugrunde liegende Zusammenhang muss im Verhältnis von Natur, Individuum und Gesellschaft in ihrer kapitalismusspezifischen Form gesucht werden. Wie Marx und die kritische Theorie aufweisen, ist Geschichte bis heute Vorgeschichte, in der sich Naturzwang blind durchsetzt. Fortschritt und gesellschaftliche Dynamik erweisen sich damit als Ausdruck unbegriffenen Naturzwangs, als Naturgeschichte. Diese Dynamik der ihrer selbst unbewussten Gesellschaft bringt ganz offenbar erhebliche soziale und ökologische Widersprüche hervor, die innerhalb des Rahmens der bestehenden Verhältnisse nicht aufzulösen sind. Was aber ist die gesellschaftliche Antwort auf diese Konstellation? Ein Schwerpunkt gesellschaftlichen Praxis scheint vor allem darin zu bestehen, die scheinbare Ohnmacht gegenüber den als Naturmacht erscheinenden gesellschaftlichen Verhältnissen imaginär zu bewältigen. Gesellschaftliche Dynamik ist damit einerseits als blinder Naturzwang real und andererseits als imaginäre gesellschaftliche Praxis scheinhaft, wobei sich dahinter zugleich die gesellschaftliche Statik in Form der erstarrten gesellschaftlichen Verhältnisse verbirgt. Da die Identität von Imaginärem und Realität aber nicht herzustellen ist, sondern immer wieder scheitert, wird letztlich Gewalt zum Mittel des Versuchs der Herstellung dieser unmöglichen Identität. Der Vortrag versucht der Frage nachzugehen, welche Stellung imaginäre Identität in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Konstellation einnimmt und in welchem Verhältnis diese gesehen werden müsste, um die katastrophalen, gewaltförmigen Folgen, die diese gegenwärtig mit sich bringt, zu vermindern.

19.11. – Martin Blumentritt:

Der Begriff der Natur bei Marx und Adorno

19.30 | Radio Corax, Unterberg 11, Halle

Bereits in der bekannten ersten Feuerbachthese bestimmte Marx das Verhältnis von Natur und Gesellschaft in kritischer Auseinandersetzung mit dem sinnlichen Materialismus Ludwig Feuerbachs. Diesem sei zu zugestehen, dass im Gegensatz zur Erkenntnistheorie des deutschen Idealismus dem Subjekt wirklich „sinnliche Objekte“ und nicht „Gedankenobjekte“ gegenüberstehen. Die subjektive Hinwendung folge aber nicht einfach der „Form des Objekts“ oder sei Prozess der „Anschauung“, sondern ist die Geschichte der „sinnlich[en] menschliche[n] Tätigkeit“ selbst. Marx stellt damit den Subjektivismus des Idealismus auf materialistische Füße. Er verneinte nicht einfach den idealistischen Konstruktivismus, sondern zeigte, wie der Mensch sich durchaus seine Wirklichkeit schafft, weniger aber durch sein Erkennen als vielmehr durch sein schöpferisches, umgestaltendes und notwendiges Tätig-Sein, dass jedoch zugleich die objektive Welt zwar ›für ihn‹ ist, aber nicht letztlich aus seiner Anschauung oder Praxis hervorgeht. Die sich darin abzeichnende Dialektik, dass der Mensch stets eine „geschichtliche Natur und eine natürliche Geschichte vor sich habe“ (Marx/Engels; Deutsche Ideologie), ja mehr sogar, dass der Mensch als zugleich Natur- wie gesellschaftliches Wesen selbst Teil dieser Konstellation ist, stellt auch den materialistischen Kern der Kritischen Theorie dar. Natur wird darin mit der Kategorie der „Naturgeschichte“ und der „Negativen Ontologie“ (Adorno) in ihrem „gesellschaftlich-geschichtlichen Charakter“ begriffen. Das bedeutet, dass „[a]lle (…) Aussagen über Natur, seien sie spekulativer, erkenntnistheoretischer oder naturwissenschaftlicher Art, (…) die Gesamtheit der technologisch-ökonomischen Aneignungsweisen der Menschen, gesellschaftliche Praxis jeweils schon voraus[setzen]“ (Alfred Schmidt). Natur, auch des Menschen selbst, ist somit stets vermittelt, gewinnt aber zugleich durch ihre doppelte immanente Notwendigkeit als für den Menschen lebensnotwendiger Naturstoff sowie als Natur am Menschen einen zur Gesellschaft antagonistischen Charakter.
Was das für eine Gesellschaftskritik bedeutet, soll ausgehend vom Referat diskutiert werden.

14.01.2015 – Michael Schüßler:

Interaktionsform und Sprachzerstörung. Die materialistische Sozialisationstheorie Alfred Lorenzers – Kritische Theorie des Subjekts

19.30 | Radio Corax, Unterberg 11, Halle

 

Trotz ihrer Wendungen zwischen Kulturismus und Biologismus ist die Psychoanalyse stets ein Feld, in dem sich der Antagonismus zwischen Natur und Gesellschaft am Menschen auftut. Im Gegensatz zu den Positionen der revisionistischen oder biologistischen Seite, aber auch gegenüber dem ‚Lacanschen Mainstream‘ hat Alfred Lorenzer versucht, für den Gegenstand der Psychoanalyse die Dialektik von Natur und Gesellschaft darzulegen und damit zugleich die methodologischen Grundlagen der psychoanalytischen Praxis als auch ihr Verhältnis zur kritischen Gesellschaftstheorie schärfer zu bestimmen.

Seine psychoanalytische Theorie stellt sich dem Widerspruchsverhältnis einer nicht in Gänze in gesellschaftlicher Praxis aufgehenden menschlichen Natur, ohne das diese einer Essentialisierung gleichkäme. Hierfür sind bei Lorenzer zwei zusammenhängende Stränge von Bedeutung. In seiner materialistischen Sozialisationstheorie zeigt er, wie in Reiz-Reaktions-Komplexen zwischen Fötus und Mutter bereits intrauterin, später in vorsprachlichen leiblich-körperlichen Interaktionsformen zwischen Neugeborenen und primären Beziehungsobjekten und vor allem in der Spracherwerbung Naturanlagen und gesellschaftliche Praxis beständig vermittelt werden. Zugleich zeichnet Lorenzer in diesem Zusammenhang von prässymbolischen Interaktionsformen und der späteren Spracherwerbung die Bruchlinien zwischen Kind und gesellschaftlichen Anforderungen als stets konflikthafte, beschädigende Subjektwerdung unter den Bedingungen gesellschaftlicher Herrschaft nach. Die Psychoanalyse Alfred Lorenzers weitet sich so zu einer Kritischen Theorie des Subjekts.

Im Vortrag möchte ich mit besonderem Fokus auf das Verhältnis von Natur und Gesellschaft am Menschen diese Kritische Theorie des Subjekts von Lorenzer darlegen und die Stärke des Ansatzes auch vor dem Hintergrund des poststrukturalistischen Mainstreams diskutieren. Hierzu werde ich den Fokus auf Lorenzers Ansatz einer materialistischen Sozialisationstheorie legen.

Eine Veranstaltung der Reihe ‚Kritische Intervention‘ des Arbeitskreises Alternatives Vorlesungsverzeichnis des Studierendenrates der MLU.

  • Vortragsreihe „Russland hinter den Schlagzeilen“ (In Kooperation mit – mediA≡H Studentisches interkulturelles Medienprojekt Archangelsk-Halle  – mediah.de)

23.10 – Kai Ehlers:

„Russland verstehen – Was ist das Russische an Russland? “

18:30/ Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Es ist Mode geworden, Wladimir Putin als Diktator, als Aggressor, als Stalin, gar als neuen Hitler zu bezeichnen, dem es nur um eines gehe: um die Wiederherstellung der sowjetischen Macht. Russland gilt wieder als finstere Gewalt, die die westliche Kultur bedrohe. Krim-Krise und Ukraine-Krise haben das Ihre dazu beigetragen. Aber stimmt dieses Bild mit der Wirklichkeit überein? Wofür steht Russland? Was ist das Russische an Russland? Wohin bewegt es sich? Was sind Russlands Besonderheiten? Kann man Russland verstehen oder kann man nur an Russland glauben, wie es der russische Dichter Tjutschew einst formulierte? Und wer ist Putin wirklich, wieso hat er solche hohen Zustimmungsraten in der Bevölkerung, wofür steht er? Wohin bewegt sich Russland heute? Diese und weitere heiße Fragen werden von Kai Ehlers beleuchtet.

Zur Vorbereitung ein Blick auf die Website von Kai Ehlers: http://www.kai-ehlers.de

06.11 – Dr. Susanne Spahn (Halle/Saale):

Staatliche Unabhängigkeit – das Ende der ostslawischen Gemeinschaft –
Die Außenpolitik Russlands gegenüber der Ukraine und Belarus seit 1991

18:30/ Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Mit der Annexion der Krim und der militärischen Intervention im Donbas bedroht Russland die Unabhängigkeit der Ukraine. Mit Belarus hingegen bildete Russland einen Unionsstaat und strebte die staatliche Wiedervereinigung an – was allerdings nicht gelang. Warum kann Russland die Unabhängigkeit seiner ostslawischen Nachbarn so schwer akzeptieren? Dafür gibt es historische Gründe: Die ostslawische Gemeinschaft der Russen, Ukrainer und Belarussen bildete einst das Herzstück des Russischen Reiches und der Sowjetunion. Auch 23 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion ist sie für die russische Politik und Bevölkerung eine Realität, denn für die meisten Russen sind die Ukraine und Belarus kein Ausland. Das offizielle Moskau spricht von „besonderen Beziehungen“ zu den sprachlich, religiös und kulturell eng verwandten Ukrainern und Belarussen und positioniert sich als Hegemon aller Ostslawen.
Der Vortrag bietet eine vergleichende Analyse der russisch-belarussischen und russisch-ukrainischen Beziehungen. Russland verwickelt sich bei dem Versuch, die ostslawische Gemeinschaft als Zentrum der postsowjetischen Integration zu erhalten, in Widersprüche. Die Ukraine und Belarus hingegen konsolidieren ihre Unabhängigkeit – Kiew mit einer Politik der Abgrenzung zu Russland, Minsk hinter der Fassade der Vereinigung zu einem Staat. Die Eigenstaatlichkeit der Ukraine und Belarus ist jedoch nicht gesichert, wie die aktuellen Entwicklungen zeigen.

20.11.- Ute Weinmann:

Selektive Erinnerung versus kollektives Gedächtnis: Was und warum wird in Russland erinnert?

18:30/ Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Jeder Staat bezieht einen Teil seiner Legitimation aus der eigenen Geschichte, Russland bildet diesbezüglich keine Ausnahme. Dabei stellt die Vergangenheit an sich keine feste Größe dar, denn die Geschichtsforschung, deren Vorlagen für eine objektive Beschreibung und Einordnung bedeutungsvoller Ereignisse und Abläufe sorgt, besteht immer zu einem wesentlichen Teil aus Interpretation. Bei dem Versuch, einen mit staatlichen und gesellschaftlichen Interessen kompatiblen Umgang mit im kollektiven Gedächtnis verhafteten Bruchstücken der Vergangenheit zu finden, steht die historische Wahrheitsfindung umso weniger im Mittelpunkt. In der Veranstaltung sollen anhand einiger Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit Tendenzen hinsichtlich einer zunehmend staatlich dominierten Interpretationsmacht über die Vergangenheit und einer schrittweisen Verdrängung individueller Erinnerung aus dem öffentlichen Raum aufgezeigt werden.

04.12 – Yvonne Drosihn:

Das Russlandbild der Deutschen

18:30/ Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

In der Historie des westlichen Russlanddiskurses wird die wesentliche Rolle der literarischen Tradierung von Bildern in Kombination mit Kriegserfahrungen deutlich. Es ist ein bestimmter Duktus, der sich von den ersten westlichen Russlandreisebeschreibungen an in der Beschreibung des Landes eingestellt hat. Dabei kann der Topos `Verspätung (Rückständigkeit)‘ (aus westlicher Perspektive) durchaus auch positiv umgedeutet werden in `junges Land‘ bzw. `ewiges Russland/ Ursprünglichkeit‘ und übt eine entsprechende Faszination aus. Deutsche Literaten, u.a. Rilke, fühlten sich von Russland angezogen. Ebenso wie deutsche Journalisten der dreißiger Jahre des 20.Jahrhunderts von der jungen Sowjetunion. Nach der Schilderung der unterschiedlichen Russlandwahrnehmung in den beiden deutschen Staaten wird mit der Frage nach `„Wende“ und (k)ein Wandel?‘ die Situation nach 1990/91 beschrieben. Abgeschlossen wird der Vortrag von einem Exkurs zur Rolle der Literatur bei der Gewinnung von Russlandbildern.

  • Einzelvorträge:

14.10.  Uli Schuster und Lydia Jacobi (Roter Salon, Leipzig) 

„Widerstand gegen sich selbst“ – Konsumkritik als subversive Praxis oder kapitalistische Selbstoptimierung?

19:00 / Radio Corax, Unterberg 11, Halle

Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft, vegetarische und vegane Kost, fair gehandelte Produkte, sauberer Strom, Tauschbörsen und Aufrufe zum Shoppingverzicht – der Trend geht zum kritischen Konsumbewusstsein. Längst hat Konsum- und Wachstumskritik die Nischen des politischen Aktionismus und der Subkultur verlassen. Die jüngst in Leipzig stattfindende degrowth-Konferenz wurde nicht nur von etablierten Stiftungen und staatsnahen Bildungseinrichtungen unterstützt, es kamen auch Tausende, um dabei zu sein.
Doch worauf zielt eine Bewegung, deren Aufrufe zum Maßhalten und Verzicht die ohnehin gestressten Individuen zu mehr Selbstkontrolle anhalten? Was kommt heraus, wenn sich die Kritik nicht gegen Standortkonkurrenz und Mehrwertproduktion wendet, sondern glaubt das kapitalistische Wachstumsmonster durch „Widerstand gegen sich selbst“ und gelebte Utopien besänftigen zu können?
Gegenüber der Aufmotzung der als Spektakel daherkommenden Konsumkritik zur Befreiungsperspektive ist Skepsis angebracht. Doch worauf läuft sie hinaus? Dem Unbehagen an den negativen Folgen der kapitalistischen Warenwelt für den Menschen und dem Wunsch, nachhaltig zu leben, lässt sich angesichts der Produktion von Giftmüll und minderwertigen Lebensmitteln und im Wissen um den Raubbau an Naturressourcen nicht jegliches kritische Potential absprechen. Im Vortag wird es deshalb darum gehen, den Gehalt der Konsumkritik zu beleuchten und ihre Übergänge in affirmative Denk- und Verhaltensweisen aufzuzeigen.

05.12 Friedrisch Burschel (Journalist und Prozessbeobachter beim Münchner NSU-Prozess)

Das Problem heisst Rassismus“ zum NSU-Komplex mit seinen rassistischen Facetten

19:00 / Radio Corax, Unterberg 11, Halle

In Kooperation mit No Lager (www.no-lager-halle.org)

Januar N.N:

Krise – Bildung – Widerstand –

Ludwigstraße 37 / Infoladen

In Kooperation mit der (studentischen Ortsgruppe) der libertären Gewerkschaft FAU

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