Podiumsdiskussion: Notwendigkeit und Schwierigkeiten der Assoziation

20.02.2016 (Samstag) / 19Uhr / Reilstraße 78 (Reil78)

Über materialistische Staatskritik und Kampf um Produktionsmittel am Beispiel der argentinischen empresas recuperadas

Es diskutieren:

Anna Kaltenbach (Juristin)

Jörg Finkenberger (Das grosse Thier, veröffentlichte kürzlich „Staat oder Revolution“ im ça-ira Verlag)

Jacop Belbo (AK Zweifel und Diskurs)

Die ökonomische Notwehr der Akteure ist der politische Hoffnungsschimmer ihrer linken Fans – zu Recht? In Argentinien gibt es inzwischen Hunderte, dem Vorbesitzer abgerungene, instandbesetzte, „genesene“ Betriebe. Sie entspringen keinem planvollen Vorgehen, sondern der spontanen Aktion von Produzierenden mit Aussicht auf Arbeitslosigkeit mit einhergehender Verarmung. Zunächst übernimmt die Belegschaft ihren maroden Betrieb aus Verzweiflung, um nicht völlig ohne Auskommen dazusitzen. Doch mit dem selbst-organisierten Produzieren liegt die Verfügungsgewalt über die Maschinen plötzlich bei den Produzierenden.

Eine Gesellschaft ohne Klassen und Staaten wird schließlich nicht in einem verwunschenen Moment aus der dünnen Luft entstehen. Eine befreite Gesellschaft ist nicht als errungener Zustand am Ende der Revolution zu denken, sondern nur als ein unendlicher Prozess. Kein Übel der alten Gesellschaft verschwindet durch Zauberhand. Keine Instanz garantiert ggf. die Fortdauer der besseren Verhältnisse. Das Festhalten an der aktuellen Einrichtung garantiert jedenfalls, dass die Katastrophe immer weiter eskaliert.

Doch je mehr die kämpfenden Arbeiter von der bisherigen Organisation abweichen, um so stärker treten die Widersprüche mit ihr zutage, ob als nach innen gewandter Konkurrenzdruck oder als Kampf mit dem alten Staat. Doch sind Fabrikbesetzungen per se schon herrschaftsfeindliche Experimente oder degeneriert die im Grunde abstrakte Vermittlung des Arbeitsmarktes bei solchen Vorhaben zu eingeschworenen Selbstausbeutungs- gemeinschaften?

Die Schwierigkeiten, die mit der Wiederaufnahme des Betriebes verbunden sind, geben einen Aufschluss über die Natur der Gesellschaft, in der wir heute leben, und die Schwierigkeiten ihrer Veränderung. Materialistische Kritik des Staats und der Gesellschaft hat diese Schwierigkeiten zum Gegenstand und hat sich an ihnen zu messen. In erster Linie ist das Aufrechterhalten von Produktion in der Krise Grund genug, dem argentinischen Beispiel zu folgen. Dieser Kampf ist die tastende Suche nach dem Ausweg, er provoziert zwingend die Mündigkeit der Einzelnen, die sich eigenmächtig organisieren, um ihre Interessen durchzusetzen.

Ist die Praxis der Fabrikbesetzung jedoch ein denkbares Mittel der Neuerrichtung der Gesellschaft? Oder ist sie lediglich ein Notbehelf, eine Abwehrmaßnahme gegen die Krisenfolgen der kapitalistischen Produktionsweise? Besteht zwischen beidem überhaupt ein notwendiger Gegensatz? Der historische Moment, in dem wir dieses diskutieren, ist derjenige einer erneuten Weltkrise, in der die Frage der Veränderung auf dringendste, aber keineswegs erfolgversprechendste Weise gestellt ist. Umso dringender ist es, auf der begrifflichen Basis bisheriger Kritik und genauer Betrachtung der konkreten Erfahrungen zu erörtern, welche Schlüsse daraus z.B. im Hinblick auf eine kommende Krise der deutschen Autoindustrie auch im bisher ruhigen Hinterland gezogen werden könnten.

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Vortrag 29.01.2016 – Deviante Utopisten: Walter Benjamin und Gershom Scholem

Deviante Utopisten: Walter Benjamin und Gershom Scholem   
Freitag, 29.01. 2016, 19Uhr, Melanchthonianum, HS A, EG, Universitätsplatz Halle

Die Freundschaft zwischen dem Philosophen Walter Benjamin (1892-1940), der sich auf der Flucht vor den Nationalsozialisten im spanischen Portbou das Leben nahm, und Gershom Scholem (1897-1982), der 1923 nach Jerusalem auswanderte und an der Hebräischen Universität den ersten Lehrstuhl für jüdische Mystik innehatte, dauerte 25 Jahre. Ihr mündlicher und brieflicher Austausch wirkte sich auch auf ihre unterschiedlichen und eigenwilligen Auffassungen von Marxismus und Zionismus aus. In einer zweigeteilten Moderation soll Benjamins biographischer Verbundenheit mit Scholem, ihren Entwürfen zu Sprache und jüdischer Tradition sowie der Bedeutung der messianischen Idee für ihr Denken nachgegangen werden.

Referenten:

Prof. Frederek Musall (Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg),
apl. Prof. Gerold Necker (Seminar für Judaistik/Jüdische Studien, MLU)

Dies ist eine Veranstaltung des ALV im Studierendenrat der Martin-Luther-Universität Halle

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Vorträge in der Vorlesungsfreien Zeit WS 14/15 (Februar – März)

Reihe zur Esoterik

Dienstag,  10.03.2015: Dr. Viola Philipp – Esoterik und kein Ende – wo liegt das Problem?

Donnerstag, 12.03.2015:  Eva Tichatschke – DU BIST DEINES EIGENEN ELENDS SCHMIED ! Das Menschenbild in Esoterik und Karma-Lehre

20Uhr in der VL-Kneipe (Ludwigstraße 37)

Womit habe ich das verdient? – Eine Frage, die sich viele Menschen nur allzu oft stellen, auch jene, die sich selbst nicht als abergläubisch oder esoterisch bezeichnen würden. In dieser Frage kommt jedoch die Annahme von Ursache und Wirkung in einem auf das eigene Handeln und (Er-)Leben begrenzten Raum oder „Kosmos“ zum Ausdruck. Die weite Verbreitung solcher und anderer Denkweisen darf kaum verwundern, wenn vom Kindermärchen bis zur romantischen Komödie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen alle lehrreichen Erzählungen bemüht sind, zu veranschaulichen, dass gute Taten mit Glück,Wohlstand oder wahlweise auch einem reichen adligen Heiratspartner belohnt werden, während schlechte Taten Pech, Armut, Einsamkeit oder gar Tod nach sich ziehen. Verschiedene esoterische Lehren, die von der Existenz des Karmas oder „guter“ und „schlechter“ Energie ausgehen, bieten dem zweifelnden Individuum Erklärungsansätze für das „Gefühl des Ungleichgewichts“ und gleichzeitig auch vermeintliche Garantien für eine glückliche Zukunft. Dafür müssen nur im Hier und Jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen und die entsprechenden Maßnahmen ergriffen werden. Das grundsätzliche Credo lautet also: „Du hast dein Glück selbst in der Hand.“ Bedeutet dies in der logischen Konsequenz nicht auch die eigene Verantwortung für jedes Unglück? Diese und noch weitreichendere Schlussfolgerungen aus den Ansätzen von Karma-Lehre und Co. und deren Gefahren sowie die Frage nach Gründen für die Attraktivität dieser Theorien sollen Gegenstand des Vortrags sein.

Reihe „aufgetaucht – Kritische Psychologie in Halle“

Immer 19Uhr in der Reilstraße 78 (Im Vereinshaus des „Kubultubu Rebell“)

Donnerstag, 05.03.2015: Klaus Weber – Adolf Hitler, ‘Mein Kampf’ und die Psychologie

Donnerstag, 26.02.2015: Robin Iltzsche – Die Psychiatrie im Neoliberalismus. Geschichte und Kritik der ‘Sozialpsychiatrie’

Donnerstag, 12.02.2015: Ariane Brenssell – Trauma politisch verstehen. Ansätze aus der kritischen Psychologie

Donnerstag, 29.01.2015: Katrin Reimer – Zur Kritik des Vorurteils

Donnerstag, 29.01.2015: Katrin Reimer – Zur Kritik des Vorurteils

Prof. Dr. Katrin Reimer lehrt im Bereich “Kindliche Entwicklung, Bildung und Sozialisation” an der Hochschule Magdeburg-Stendal und arbeitete lange Zeit in der außerschulischen Bildung.

Donnerstag, 12.02.2015: Ariane Brenssell – Trauma politisch verstehen. Ansätze aus der kritischen Psychologie

Wie kann ein emanzipatorisches Traumaverstehen aussehen, und was gibt es aktuell für Kämpfe um Traumaverstehen und Traumaarbeit? Welche Bedingungen der Praxis verhindern ein solches Umdenken? Wie kann die gesellschaftliche Rahmung sexualisierter Gewalt sichtbar gemacht werden? Welche Kämpfe braucht es?

Ariane Brenssell stellt zudem das von ihr mitherausgegebe Buch „Störungen“ vor, welches im Herbst 2014 erschienen ist („Störungen“, Texte zur Kritischen Psychologie Band 4, zusammen mit Klaus Weber, Argument Verlag).

Prof. Dr. Ariane Brenssell ist Kritische Psychologin aus Berlin und Professorin für Psychologie in der Sozialen Arbeit an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein, ab Februar ist sie an der Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel tätig. Sie arbeitet u.a. zur Bedeutung neoliberaler Gewalt im Alltag, zu den Möglichkeiten partizipativer “Traumaforschung” und zur “Care Revolution”.

Donnerstag, 26.02.2015: Robin Iltzsche – Die Psychiatrie im Neoliberalismus. Geschichte und Kritik der ‘Sozialpsychiatrie’

Seit den 1960er Jahren gibt es zahlreiche Veränderungen in der psychiatrischen Versorgungslandschaft, die oft als die zweite „Befreiung von den Ketten“ dargestellt wird. Der Vortrag wird einen kurzen Überblick über die wesentlichen Veränderungen und Prozesse dieser „sozialpsychiatrische Wende“ geben und dabei versuchen, Merkmale einer neoliberalen Psychiatrie aufzuzeigen. Während zwar der Fokus auf den pharmakologischen, nosographisch-diagnostischen und strukturellen Veränderungen der Psychiatrie gelegt wird, soll auch der sich parallel vollziehende Wandel der Antipsychiatrie-Bewegung hin zu einer Selbsthilfe-Bewegung beschrieben werden.

Robin Iltzsche studiert seit 2008 Psychologie und Linguistik an der Goethe-Universität Frankfurt. Er ist seit 2009 Gründungsmitglied des ‘AK kritische Psychologie Frankfurt’. Seine Interessensschwerpunkte sind Psychoanalyse, Gouvernmentality Studies, Qualitative Forschung und Psychiatriekritik.

 

Donnerstag, 05.03.2015: Klaus Weber – Adolf Hitler, ‘Mein Kampf’ und die Psychologie

Um es vorweg zu sagen: Für PersönlichkeitspsychologInnen ist Hitler ein „gefundenes Fressen“. Es gibt haufenweise Material über ihn, quasi alle seine Handlungen, seine Reden und seine Schriften sind verfügbar. Kaum ein Tag seines Lebens (mit größeren blinden Flecken seiner Kindheit und Jugend), der nicht dokumentiert wäre. Mindestens fünf renommierte Historiker haben tausendbändige Biografien über ihn und sein Tun geschrieben.
Wenn die Kritische Psychologie recht hat mit der Grundannahme, dass die Begründungen für subjektives Handeln gemeinsam mit den handelnden, denkenden und fühlenden Menschen erarbeitet werden können, dann wäre bei Hitler genügend Material vorhanden, um verstehen zu können, wie sich Person, Strukturen und Verhältnisse auf eine Art und Weise verändert haben, dass so etwas wie „Faschismus“ mit Hitler möglich wurde. 

(Es gibt genügend Historiker, die davon ausgehen, ohne Hitler wäre es zum deutschen Faschismus nicht gekommen und falls schon, dann hätte er andere Strukturen und Feindbilder entwickelt).
Der Vortrag soll
a) die Probleme zeigen, die es gibt, wenn Psychologie und Hitler aufeinandertreffen,
b) Suchbewegungen entwickeln, um kritisch-psychologisch die Person Hitler als Subjekt und als Struktureffekt gesellschaftlicher Logiken zu denken,
c) darstellen, wie Hitler in „Mein Kampf“ ein Programm entwickelt, das er bis 1945 durchzieht,
d) danach fragen, welche ideologischen Muster (Hitler als das „Böse“ schlechthin, die Nazis als Barbaren etc.) aus dem Weg zu räumen sind, um Hitler und den deutschen Faschismus auch kritisch-psychologisch zu verstehen.

Dr. phil. habil. Klaus Weber ist Professor für Psychologie an der Hochschule München für Angewandte Wissenschaften. Unter anderem gibt er im Argument-Verlag die Reihe „texte kritische psychologie“ heraus, deren letzter Band „Störungen“ (gemeinsam mit Ariane Brenssell) im September 2014 erschienen ist. Seine 2003 erschienene Habilitationsschrift hat den Titel: „Blinde Flecken. Der psychologische Blick auf Faschismus und Neofaschismus“.
19 Uhr, Reilstraße 78. Der Eintritt ist frei.

 

Einzelvorträge

16.01.2015 – Krise – Bildung – Widerstand  (19:00 Uhr / VL-Infoladen Glimpflich Ludwigstraße 37)

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Vorträge Januar 2015

Mi., 14.01. 2015, 19:00 Uhr, in den Räumen von Radio Corax, Unterberg 11, Halle
Interaktionsform und Sprachzerstörung. Die materialistische Sozialisationstheorie Alfred Lorenzers – Kritische Theorie des Subjekts

Vortrag und Diskussion mit Michael Schüßler

Trotz ihrer Wendungen zwischen Kulturismus und Biologismus ist die Psychoanalyse stets ein Feld, in dem sich der Antagonismus zwischen Natur und Gesellschaft am Menschen auftut. Im Gegensatz zu den Positionen der revisionistischen oder biologistischen Seite, aber auch gegenüber dem ‚Lacanschen Mainstream‘ hat Alfred Lorenzer versucht, für den Gegenstand der Psychoanalyse die Dialektik von Natur und Gesellschaft darzulegen und damit zugleich die methodologischen Grundlagen der psychoanalytischen Praxis als auch ihr Verhältnis zur kritischen Gesellschaftstheorie schärfer zu bestimmen.

Seine psychoanalytische Theorie stellt sich dem Widerspruchsverhältnis einer nicht in Gänze in gesellschaftlicher Praxis aufgehenden menschlichen Natur, ohne das diese einer Essentialisierung gleichkäme. Hierfür sind bei Lorenzer zwei zusammenhängende Stränge von Bedeutung. In seiner materialistischen Sozialisationstheorie zeigt er, wie in Reiz-Reaktions-Komplexen zwischen Fötus und Mutter bereits intrauterin, später in vorsprachlichen leiblich-körperlichen Interaktionsformen zwischen Neugeborenen und primären Beziehungsobjekten und vor allem in der Spracherwerbung Naturanlagen und gesellschaftliche Praxis beständig vermittelt werden. Zugleich zeichnet Lorenzer in diesem Zusammenhang von prässymbolischen Interaktionsformen und der späteren Spracherwerbung die Bruchlinien zwischen Kind und gesellschaftlichen Anforderungen als stets konflikthafte, beschädigende Subjektwerdung unter den Bedingungen gesellschaftlicher Herrschaft nach. Die Psychoanalyse Alfred Lorenzers weitet sich so zu einer Kritischen Theorie des Subjekts.

Im Vortrag möchte ich mit besonderem Fokus auf das Verhältnis von Natur und Gesellschaft am Menschen diese Kritische Theorie des Subjekts von Lorenzer darlegen und die Stärke des Ansatzes auch vor dem Hintergrund des poststrukturalistischen Mainstreams diskutieren. Hierzu werde ich den Fokus auf Lorenzers Ansatz einer materialistischen Sozialisationstheorie legen.

Eine Veranstaltung der Reihe ‚Kritische Intervention‘ des Arbeitskreises Alternatives Vorlesungsverzeichnis des Studierendenrates der MLU.

 

Do., 29.01.2015, 19:00; Reilstraße 78

Zur Kritik des Vorurteils

Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Reimer

Die Kritische Psychologie blickt auf eine lange Geschichte der Auseinandersetzung mit sozialpsychologischen Konzepten und Methoden zurück, die auch Grundlage aktueller Leitvorstellungen (Vorurteile, Stereotype, Diskriminierung…) und Studien (rechtsextreme Einstellungen, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit) sind, die in antifaschistischer und rassismuskritischer Praxis relevant sind. Die “Kritik des Vorurteils” zielt vor diesem Hintergrund sowohl auf ideologische Denk- und Praxisformen als auch auf eine (vorherrschende) wissenschaftliche Forschungsstrategie, die wesentliche Dimensionen ihres Gegenstandes verfehlt.

Prof. Dr. Katrin Reimer lehrt im Bereich “Kindliche Entwicklung, Bildung und Sozialisation” an der Hochschule Magdeburg-Stendal und arbeitete lange Zeit in der außerschulischen Bildung.

http://www.aufgetaucht.blogsport.eu

 

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Aktuelles Heft – Zum Angucken oder Ausdrucken

https://alvhalle.files.wordpress.com/2012/06/alv-logo.png?w=262&h=296

Mit Hintergrund zu Burschenschaften und Studentischen Verbindungen und Infotexten zu unseren Kooperationspartnern, dem Freien Radio „Corax“ in Halle und dem „Audioarchiv“, und zur aktuellen Kürzungsdebatte an der Uni

[https://alvhalle.files.wordpress.com/2014/10/alv-heft-wise-2014-152.pdf]

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ALV – Vorlesungsprogramm Wintersemester 2014 / 2015

  • Terminübersicht:

23.10 „Russland verstehen – Was ist das Russische an Russland? “

06.11  Staatliche Unabhängigkeit – das Ende der ostslawischen Gemeinschaft –
Die Außenpolitik Russlands gegenüber der Ukraine und Belarus seit 1991

19.11.  Der Begriff der Natur bei Marx und Adorno

20.11. Selektive Erinnerung versus kollektives Gedächtnis: Was und warum wird in Russland erinnert?

20.11. Lateinamerika und die Menschenrechte – ein schwieriges Verhältnis? Historische und systematische Überlegungen

04.12. Mexiko als migrierendes Land. Gewalt gegen Migranten an der nördlichen Grenze zwischen Mexiko und den USA

04.12  Das Russlandbild der Deutschen

05.12  Das Problem heisst Rassismus“ zum NSU-Komplex mit seinen rassistischen Facetten

09.12  Ohnmacht und imaginäre Inszenierung. Zu einigen gegenwärtigen Erscheinungen des Verhältnisses von Natur, Individuum und  Gesellschaft.

14.01.2015  Interaktionsform und Sprachzerstörung. Die materialistische Sozialisationstheorie Alfred Lorenzers – Kritische Theorie des Subjekts

15.01. Indigenes Recht in Ecuador

21.01. Menschenrechte und die Kolonialität der Macht

Januar N.N: Krise – Bildung – Widerstand

  • Politik der Menschenrechte und Rechtfertigungsverhältnisse in Lateinamerika“

04.12.14  20 Uhr  Goldene Rose

“Mexiko als migrierendes Land. Gewalt gegen Migranten an der nördlichen Grenze zwischen Mexiko und USA”

Referentin: Dr. Lizette Jacinto (Uni Köln)

Lizette Jacinto arbeitet an dem Historischen Institut der Universität zu Köln, in der Abteilung für iberische und lateinamerikanische Geschichte. Sie beschäftigt sich mich den aktuellen Fragen der Migration, Gewalt und Menschenrechte im geopolitischen Raum der Grenze zwischen USA und Mexiko. Sie behandelt in ihrem Vortrag die Anwendung extremer Gewalt gegenüber Migranten, ihre institutionelle Geschichte und die gesellschaftliche, kulturelle und politische Folgen, die sich für beide betreffende Staaten daraus ergeben.

15.01.15  20 Uhr  Goldene Rose

“Indigenes Recht in Ecuador”

Referentin: Daniela Célleri Dipl. Soz.-Wiss.(Uni Hannover)

Daniela Célleri promoviert an dem Institut für Soziologie der Universität Hannover. Sie beschäftigt sich mit der Identitätsfrage von Auswandern der ländlichen Region von Otavalo in Ecuador. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf die Kategorie von „Indigen“: Welche Rolle spielt diese im Prozess der Selbstdarstellung und der Fremddarstellung? Welche Prozesse von Ein- und Ausgrenzung finden statt? Die Frage der Rolle dieser Kategorie wird im Vortrag im Kontext des Rechtlichen behandelt: Inwieweit kann man von einem Indigenen Recht sprechen und welche Folgen entstehen daraus?

21.01.15  20 Uhr  Goldene Rose

„Menschenrechte und die Kolonialität der Macht“

Referent: Sebastian Garbe (Uni Giessen)

Sebastian Garbe arbeitet im Institut für Soziologie im Fachbereich für Sozial- und Kulturwissenschaften der Universität Giessen. Er beschäftigt sich mit den Konzepten der Kolonialität und des kritischen Denkens in und aus Lateinamerika. Aus der Perspektive der politischen Option der Dekolonialisierung soll im Vortrag die Frage nach der Menschenrechte in Lateinamerika gestellt werden.

 

  • „Gesellschaftliche Naturverhältnisse und materialistische Kritik“

„Seit dem (Wieder)Erstarken der Thematisierung des Klimawandels nach dem medialen Verschwinden des Ozonlochs Mitte der 1990er Jahre sind Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Energiesparen, CO2-Minimierung und vor allem „gesunde“ (Bio-)Nahrungsmittel wichtige, beinah alltägliche Paradigmen der Lebenswelt. Vor einigen Jahren noch undenkbar ist das Warenangebot an Bio-Produkten, vollwertigen Lebensmitteln, ökologisch verträglichen, früher nur in der Reformhaus-Szene erhältlichen Verbrauchsprodukten bis hin zum Stromanbieter, energieneutralem Hausbau sowie Umweltinvestment für den Kleinanleger unüberschaubar gewachsen. ›Umweltbewusstsein‹ scheint mehr denn je verbreitet zu sein. Kaum ein Unternehmen leistet sich kein Umweltmanagement, Umweltschutz ist auf regionaler bis globaler Ebene eines der wichtigsten Topoi in der Politik geworden und die Konsumwelt ist ohne die Labels ›Bio‹, ›ökologisch abbaubar‹, ›CO2-neutral‹ etc. nicht mehr vorstellbar. Utopien der Nachhaltigkeit, einer „gesünderen Lebensweise“ und Dystopien der Endlichkeit der Erde begegnen einen beinah täglich. Umweltbewusstsein, nachhaltiger Konsum und darauf bezogene Wachstums- und Konsumkritik beleben nicht nur Untote wie die globalisierungskritische ATTAC-Bewegung, sondern transformieren den seine Bedürfnisse befriedigenden Normalbürger in einen ›kritischen Konsumenten‹. Der Natur was Gutes tun, ob „mit jedem Waschgang“ oder der Balkon-Tomate! Im Mittelpunkt der konsumkritischen Wohlfühl- und Bewusstseinspraxis steht ein Verständnis von Natur, in dem sie als vermeintliches Prinzip des Reinen, Guten oder Authentischen, als Gegensatz zur Gesellschaft fetischisiert wird. Was hinter der gesamtgesellschaftlichen Pseudoaktivität, ob als ›kritischer Konsument‹, als von Wellblechhütte und Subsistenz träumende Wachstumskritikerin oder moralisch richtig gepolter, grün-konservativer Altbau-Bewohner, verschwindet, ist eine Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Naturverhältnis. Die Frage, was die Zerstörung der Natur und das zügige Voranschreiten zu tatsächlichen Grenzen des Planeten, mit dem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, mit der kapitalistischen Produktionsweise und mit gesellschaftlicher Herrschaft zu tun haben könnte, stellt sich erst gar nicht. Die beschriebenen Sachverhalte stellen damit gewissermaßen den Ausgangspunkt dar, in den Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen vor dem Hintergrund einer materialistischen Gesellschaftskritik das Verhältnis von Natur und Gesellschaft näher zu beleuchten. Nachgegangen werden soll, was es überhaupt mit Natur (auch am Menschen) auf sich hat, wie das Verhältnis von Natur und Gesellschaft im Lichte der ›Dialektik der Aufklärung‹ zu begreifen ist und was dies für eine fundamentale Gesellschaftskritik jenseits der Verkürzungen von Konsumkritik und Postwachstumsbewegung bedeutet.“

09.12 – Julian Kuppe:

Ohnmacht und imaginäre Inszenierung. Zu einigen gegenwärtigen Erscheinungen des Verhältnisses von Natur, Individuum und Gesellschaft.

19.30 | Radio Corax, Unterberg 11, Halle

In gegenwärtigen Gesellschaften ist eine Gleichzeitigkeit von Dynamik und Erstarrung vorzufinden. Der dieser Erscheinung zugrunde liegende Zusammenhang muss im Verhältnis von Natur, Individuum und Gesellschaft in ihrer kapitalismusspezifischen Form gesucht werden. Wie Marx und die kritische Theorie aufweisen, ist Geschichte bis heute Vorgeschichte, in der sich Naturzwang blind durchsetzt. Fortschritt und gesellschaftliche Dynamik erweisen sich damit als Ausdruck unbegriffenen Naturzwangs, als Naturgeschichte. Diese Dynamik der ihrer selbst unbewussten Gesellschaft bringt ganz offenbar erhebliche soziale und ökologische Widersprüche hervor, die innerhalb des Rahmens der bestehenden Verhältnisse nicht aufzulösen sind. Was aber ist die gesellschaftliche Antwort auf diese Konstellation? Ein Schwerpunkt gesellschaftlichen Praxis scheint vor allem darin zu bestehen, die scheinbare Ohnmacht gegenüber den als Naturmacht erscheinenden gesellschaftlichen Verhältnissen imaginär zu bewältigen. Gesellschaftliche Dynamik ist damit einerseits als blinder Naturzwang real und andererseits als imaginäre gesellschaftliche Praxis scheinhaft, wobei sich dahinter zugleich die gesellschaftliche Statik in Form der erstarrten gesellschaftlichen Verhältnisse verbirgt. Da die Identität von Imaginärem und Realität aber nicht herzustellen ist, sondern immer wieder scheitert, wird letztlich Gewalt zum Mittel des Versuchs der Herstellung dieser unmöglichen Identität. Der Vortrag versucht der Frage nachzugehen, welche Stellung imaginäre Identität in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Konstellation einnimmt und in welchem Verhältnis diese gesehen werden müsste, um die katastrophalen, gewaltförmigen Folgen, die diese gegenwärtig mit sich bringt, zu vermindern.

19.11. – Martin Blumentritt:

Der Begriff der Natur bei Marx und Adorno

19.30 | Radio Corax, Unterberg 11, Halle

Bereits in der bekannten ersten Feuerbachthese bestimmte Marx das Verhältnis von Natur und Gesellschaft in kritischer Auseinandersetzung mit dem sinnlichen Materialismus Ludwig Feuerbachs. Diesem sei zu zugestehen, dass im Gegensatz zur Erkenntnistheorie des deutschen Idealismus dem Subjekt wirklich „sinnliche Objekte“ und nicht „Gedankenobjekte“ gegenüberstehen. Die subjektive Hinwendung folge aber nicht einfach der „Form des Objekts“ oder sei Prozess der „Anschauung“, sondern ist die Geschichte der „sinnlich[en] menschliche[n] Tätigkeit“ selbst. Marx stellt damit den Subjektivismus des Idealismus auf materialistische Füße. Er verneinte nicht einfach den idealistischen Konstruktivismus, sondern zeigte, wie der Mensch sich durchaus seine Wirklichkeit schafft, weniger aber durch sein Erkennen als vielmehr durch sein schöpferisches, umgestaltendes und notwendiges Tätig-Sein, dass jedoch zugleich die objektive Welt zwar ›für ihn‹ ist, aber nicht letztlich aus seiner Anschauung oder Praxis hervorgeht. Die sich darin abzeichnende Dialektik, dass der Mensch stets eine „geschichtliche Natur und eine natürliche Geschichte vor sich habe“ (Marx/Engels; Deutsche Ideologie), ja mehr sogar, dass der Mensch als zugleich Natur- wie gesellschaftliches Wesen selbst Teil dieser Konstellation ist, stellt auch den materialistischen Kern der Kritischen Theorie dar. Natur wird darin mit der Kategorie der „Naturgeschichte“ und der „Negativen Ontologie“ (Adorno) in ihrem „gesellschaftlich-geschichtlichen Charakter“ begriffen. Das bedeutet, dass „[a]lle (…) Aussagen über Natur, seien sie spekulativer, erkenntnistheoretischer oder naturwissenschaftlicher Art, (…) die Gesamtheit der technologisch-ökonomischen Aneignungsweisen der Menschen, gesellschaftliche Praxis jeweils schon voraus[setzen]“ (Alfred Schmidt). Natur, auch des Menschen selbst, ist somit stets vermittelt, gewinnt aber zugleich durch ihre doppelte immanente Notwendigkeit als für den Menschen lebensnotwendiger Naturstoff sowie als Natur am Menschen einen zur Gesellschaft antagonistischen Charakter.
Was das für eine Gesellschaftskritik bedeutet, soll ausgehend vom Referat diskutiert werden.

14.01.2015 – Michael Schüßler:

Interaktionsform und Sprachzerstörung. Die materialistische Sozialisationstheorie Alfred Lorenzers – Kritische Theorie des Subjekts

19.30 | Radio Corax, Unterberg 11, Halle

 

Trotz ihrer Wendungen zwischen Kulturismus und Biologismus ist die Psychoanalyse stets ein Feld, in dem sich der Antagonismus zwischen Natur und Gesellschaft am Menschen auftut. Im Gegensatz zu den Positionen der revisionistischen oder biologistischen Seite, aber auch gegenüber dem ‚Lacanschen Mainstream‘ hat Alfred Lorenzer versucht, für den Gegenstand der Psychoanalyse die Dialektik von Natur und Gesellschaft darzulegen und damit zugleich die methodologischen Grundlagen der psychoanalytischen Praxis als auch ihr Verhältnis zur kritischen Gesellschaftstheorie schärfer zu bestimmen.

Seine psychoanalytische Theorie stellt sich dem Widerspruchsverhältnis einer nicht in Gänze in gesellschaftlicher Praxis aufgehenden menschlichen Natur, ohne das diese einer Essentialisierung gleichkäme. Hierfür sind bei Lorenzer zwei zusammenhängende Stränge von Bedeutung. In seiner materialistischen Sozialisationstheorie zeigt er, wie in Reiz-Reaktions-Komplexen zwischen Fötus und Mutter bereits intrauterin, später in vorsprachlichen leiblich-körperlichen Interaktionsformen zwischen Neugeborenen und primären Beziehungsobjekten und vor allem in der Spracherwerbung Naturanlagen und gesellschaftliche Praxis beständig vermittelt werden. Zugleich zeichnet Lorenzer in diesem Zusammenhang von prässymbolischen Interaktionsformen und der späteren Spracherwerbung die Bruchlinien zwischen Kind und gesellschaftlichen Anforderungen als stets konflikthafte, beschädigende Subjektwerdung unter den Bedingungen gesellschaftlicher Herrschaft nach. Die Psychoanalyse Alfred Lorenzers weitet sich so zu einer Kritischen Theorie des Subjekts.

Im Vortrag möchte ich mit besonderem Fokus auf das Verhältnis von Natur und Gesellschaft am Menschen diese Kritische Theorie des Subjekts von Lorenzer darlegen und die Stärke des Ansatzes auch vor dem Hintergrund des poststrukturalistischen Mainstreams diskutieren. Hierzu werde ich den Fokus auf Lorenzers Ansatz einer materialistischen Sozialisationstheorie legen.

Eine Veranstaltung der Reihe ‚Kritische Intervention‘ des Arbeitskreises Alternatives Vorlesungsverzeichnis des Studierendenrates der MLU.

  • Vortragsreihe „Russland hinter den Schlagzeilen“ (In Kooperation mit – mediA≡H Studentisches interkulturelles Medienprojekt Archangelsk-Halle  – mediah.de)

23.10 – Kai Ehlers:

„Russland verstehen – Was ist das Russische an Russland? “

18:30/ Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Es ist Mode geworden, Wladimir Putin als Diktator, als Aggressor, als Stalin, gar als neuen Hitler zu bezeichnen, dem es nur um eines gehe: um die Wiederherstellung der sowjetischen Macht. Russland gilt wieder als finstere Gewalt, die die westliche Kultur bedrohe. Krim-Krise und Ukraine-Krise haben das Ihre dazu beigetragen. Aber stimmt dieses Bild mit der Wirklichkeit überein? Wofür steht Russland? Was ist das Russische an Russland? Wohin bewegt es sich? Was sind Russlands Besonderheiten? Kann man Russland verstehen oder kann man nur an Russland glauben, wie es der russische Dichter Tjutschew einst formulierte? Und wer ist Putin wirklich, wieso hat er solche hohen Zustimmungsraten in der Bevölkerung, wofür steht er? Wohin bewegt sich Russland heute? Diese und weitere heiße Fragen werden von Kai Ehlers beleuchtet.

Zur Vorbereitung ein Blick auf die Website von Kai Ehlers: http://www.kai-ehlers.de

06.11 – Dr. Susanne Spahn (Halle/Saale):

Staatliche Unabhängigkeit – das Ende der ostslawischen Gemeinschaft –
Die Außenpolitik Russlands gegenüber der Ukraine und Belarus seit 1991

18:30/ Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Mit der Annexion der Krim und der militärischen Intervention im Donbas bedroht Russland die Unabhängigkeit der Ukraine. Mit Belarus hingegen bildete Russland einen Unionsstaat und strebte die staatliche Wiedervereinigung an – was allerdings nicht gelang. Warum kann Russland die Unabhängigkeit seiner ostslawischen Nachbarn so schwer akzeptieren? Dafür gibt es historische Gründe: Die ostslawische Gemeinschaft der Russen, Ukrainer und Belarussen bildete einst das Herzstück des Russischen Reiches und der Sowjetunion. Auch 23 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion ist sie für die russische Politik und Bevölkerung eine Realität, denn für die meisten Russen sind die Ukraine und Belarus kein Ausland. Das offizielle Moskau spricht von „besonderen Beziehungen“ zu den sprachlich, religiös und kulturell eng verwandten Ukrainern und Belarussen und positioniert sich als Hegemon aller Ostslawen.
Der Vortrag bietet eine vergleichende Analyse der russisch-belarussischen und russisch-ukrainischen Beziehungen. Russland verwickelt sich bei dem Versuch, die ostslawische Gemeinschaft als Zentrum der postsowjetischen Integration zu erhalten, in Widersprüche. Die Ukraine und Belarus hingegen konsolidieren ihre Unabhängigkeit – Kiew mit einer Politik der Abgrenzung zu Russland, Minsk hinter der Fassade der Vereinigung zu einem Staat. Die Eigenstaatlichkeit der Ukraine und Belarus ist jedoch nicht gesichert, wie die aktuellen Entwicklungen zeigen.

20.11.- Ute Weinmann:

Selektive Erinnerung versus kollektives Gedächtnis: Was und warum wird in Russland erinnert?

18:30/ Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Jeder Staat bezieht einen Teil seiner Legitimation aus der eigenen Geschichte, Russland bildet diesbezüglich keine Ausnahme. Dabei stellt die Vergangenheit an sich keine feste Größe dar, denn die Geschichtsforschung, deren Vorlagen für eine objektive Beschreibung und Einordnung bedeutungsvoller Ereignisse und Abläufe sorgt, besteht immer zu einem wesentlichen Teil aus Interpretation. Bei dem Versuch, einen mit staatlichen und gesellschaftlichen Interessen kompatiblen Umgang mit im kollektiven Gedächtnis verhafteten Bruchstücken der Vergangenheit zu finden, steht die historische Wahrheitsfindung umso weniger im Mittelpunkt. In der Veranstaltung sollen anhand einiger Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit Tendenzen hinsichtlich einer zunehmend staatlich dominierten Interpretationsmacht über die Vergangenheit und einer schrittweisen Verdrängung individueller Erinnerung aus dem öffentlichen Raum aufgezeigt werden.

04.12 – Yvonne Drosihn:

Das Russlandbild der Deutschen

18:30/ Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

In der Historie des westlichen Russlanddiskurses wird die wesentliche Rolle der literarischen Tradierung von Bildern in Kombination mit Kriegserfahrungen deutlich. Es ist ein bestimmter Duktus, der sich von den ersten westlichen Russlandreisebeschreibungen an in der Beschreibung des Landes eingestellt hat. Dabei kann der Topos `Verspätung (Rückständigkeit)‘ (aus westlicher Perspektive) durchaus auch positiv umgedeutet werden in `junges Land‘ bzw. `ewiges Russland/ Ursprünglichkeit‘ und übt eine entsprechende Faszination aus. Deutsche Literaten, u.a. Rilke, fühlten sich von Russland angezogen. Ebenso wie deutsche Journalisten der dreißiger Jahre des 20.Jahrhunderts von der jungen Sowjetunion. Nach der Schilderung der unterschiedlichen Russlandwahrnehmung in den beiden deutschen Staaten wird mit der Frage nach `„Wende“ und (k)ein Wandel?‘ die Situation nach 1990/91 beschrieben. Abgeschlossen wird der Vortrag von einem Exkurs zur Rolle der Literatur bei der Gewinnung von Russlandbildern.

  • Einzelvorträge:

14.10.  Uli Schuster und Lydia Jacobi (Roter Salon, Leipzig) 

„Widerstand gegen sich selbst“ – Konsumkritik als subversive Praxis oder kapitalistische Selbstoptimierung?

19:00 / Radio Corax, Unterberg 11, Halle

Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft, vegetarische und vegane Kost, fair gehandelte Produkte, sauberer Strom, Tauschbörsen und Aufrufe zum Shoppingverzicht – der Trend geht zum kritischen Konsumbewusstsein. Längst hat Konsum- und Wachstumskritik die Nischen des politischen Aktionismus und der Subkultur verlassen. Die jüngst in Leipzig stattfindende degrowth-Konferenz wurde nicht nur von etablierten Stiftungen und staatsnahen Bildungseinrichtungen unterstützt, es kamen auch Tausende, um dabei zu sein.
Doch worauf zielt eine Bewegung, deren Aufrufe zum Maßhalten und Verzicht die ohnehin gestressten Individuen zu mehr Selbstkontrolle anhalten? Was kommt heraus, wenn sich die Kritik nicht gegen Standortkonkurrenz und Mehrwertproduktion wendet, sondern glaubt das kapitalistische Wachstumsmonster durch „Widerstand gegen sich selbst“ und gelebte Utopien besänftigen zu können?
Gegenüber der Aufmotzung der als Spektakel daherkommenden Konsumkritik zur Befreiungsperspektive ist Skepsis angebracht. Doch worauf läuft sie hinaus? Dem Unbehagen an den negativen Folgen der kapitalistischen Warenwelt für den Menschen und dem Wunsch, nachhaltig zu leben, lässt sich angesichts der Produktion von Giftmüll und minderwertigen Lebensmitteln und im Wissen um den Raubbau an Naturressourcen nicht jegliches kritische Potential absprechen. Im Vortag wird es deshalb darum gehen, den Gehalt der Konsumkritik zu beleuchten und ihre Übergänge in affirmative Denk- und Verhaltensweisen aufzuzeigen.

05.12 Friedrisch Burschel (Journalist und Prozessbeobachter beim Münchner NSU-Prozess)

Das Problem heisst Rassismus“ zum NSU-Komplex mit seinen rassistischen Facetten

19:00 / Radio Corax, Unterberg 11, Halle

In Kooperation mit No Lager (www.no-lager-halle.org)

Januar N.N:

Krise – Bildung – Widerstand –

Ludwigstraße 37 / Infoladen

In Kooperation mit der (studentischen Ortsgruppe) der libertären Gewerkschaft FAU

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ALV – Heft Sommersemester 2014 und Thesenpapier „Antisemitismus? Martin Luther und die Juden“

Das Heft für das Sommersemester 2014 zum Speichern und/oder Ausdrucken HIER.

Thesenpapier von Andreas Pangritz: Antisemitismus? Martin Luther und die Juden [klick]

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Veranstaltungen Sommersemester 2014

24.4.  Die Jesuiten in der Frühphase der Conquista
1.5.     Film: [Der Lagerkomplex]
2.5.    Nachruf. Über den Tod im Bestehenden
6.5.    Ware: Körper. Zur Sozialpsychologie von Markt und Medizin
7.5.    Mediatisierung von Religion
13.5.  Die Einsamkeit der letzten Dinge. Eine gesellschaftskritische
            Betrachtung der Sterbehilfe
15.5.  Luther und die Juden
21.5.  Unerwünschte Leben. Präimplantations- und Pränataldiagnostik
28.5.  Die Militärdiktaturen und die katholische Kirche
5.6.    Film: Im Land dazwischen
6.6.    Armut in Deutschland – Almosenregime der Scham
3.7.    Film: Ödland
16.7.  Die Santería in Kuba
7.8.    Film: Leben verboten

Das Alternative Vorlesungsverzeichnis bei facebook – klick and like to get informed!

Wer kein gedrucktes ALV ergattern konnte oder es in digitaler Form speichern und/oder ausdrucken will, der KLICKE HIER.

flyer-front

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Vergangene Veranstaltungen

12.03.2012
Kritik der Argumentationen zur Rechtfertigung von Gewalt gegen Polizisten in der deutschen Linken
Vortrag von Referenten der Gruppe Subjekt und Gesellschaft

11.04.2011
Goldene Rose
La maquina de la libertad: Das Fahrrad im Kontext sozialer Bewegungen Lateinamerikas
Vortrag von Peter Grüttner

13.04.2012
Mel
Rechtsradikalismus und Fußball im ehemaligen Jugoslawien
Vortrag von Referenten der Kampagne Solidarnost (Potsdam/Berlin)

26.04.2012
Plan 3
Von Mauern und Favelas: Polizeigewalt in Rio de Janeiro
Vortrag von Kirsten Wagenschein und Susanne Dzeik

09.05.2012
Goldene Rose
Kritik staatlicher Ernährungsprogramme in El Salvador: PESA und seine Folgen
Vortrag von Renan Oliva

17.05.2012
Infoladen Glimpflich, VL Ludgwigstraße 37
Ausbeutung in „Minijobs“?
Eine Infoveranstaltung mit Jonas Vowinkel

23.05.2012
Das Künstlerische ist politisch: Geschichte und Aktualität des politischen Liedes in Lateinamerika

21.06.2012
Was heisst eigentlich „Intersexualität“?

03.07.2012
Das situationistische Ende der Kunst und sein Ausbleiben. Buchvorstellung (“ALLES FALSCH. Auf verlorenem Posten gegen die Kulturindustrie”) mit dem Autoren Sebastian Dittmann

11.07.2012
Radioaktivismus in Brasilien – Die Rolle der freien Radios in den sozialen Kämpfen.

12.10.2012
Anarchosyndikalismus – Eine andere Gewerkschaftspraxis? Geschichte und Gegenwart einer unabhängigen Lohnabhängigenorganisation

13.10.2012
Tages-Workshop
„Dialektik. Zur Einführung in die Kritische Theorie“

25.10.2012
National befreite Zonen – neonazistische Strategie oder realer Irrsinn

22.11.2012
Die Geburt „Lateinamerikas“: Von der imperialistischen Legitimationsfigur zum anti-imperialistischen Kampfbegriff
 
23.11.2012
Der Irrwitz der europäischen Sparpolitik, oder:  Warum Spekulation und Staatsverschuldung nicht die Ursache der Krise sind
 
28.11.2012
Porno-Chanchada, Action-Crime und Nordestern: Brasilianisches Kino und sozioökonomische Abhängigkeiten
 
01.12.2012
Workshop „Medienberichterstattung im und über den Nahen Osten – Zu Mißverständnissen und Möglichkeiten“
In Kooperation mit Radio „Corax“
 
04.12.2012
Postwachstumsideologie – Kritik einer liberalen Variante ‚linker‘ Krisenverdrängung
 
11.12.2012
Mit der 3D-Brille gegen Antizionismus? Kritik der Interventionen gegen den israelbezogenen Antisemitismus
 
13.12.2012
In der Umlaufbahn. Über die sozialen und politischen Auswirkungen der Eurokrise
 
17.01.2013
Islamismus, ‘antimuslimischer’ Rassismus und ihre Kritik
 
17.01.2013
Autonomie und Selbstaffirmation im Zapatismus
 
24.01.2013
Dynamit der Zehntelsekunden. Die Kontroverse über den Film zwischen Walter Benjamin und Theodor W. Adorno
 
30.01.2013
Ästhetik und Kulturindustrie bei Adorno
 
13.02.2013
Kunst, Avantgarde, Klassenkampf. Benjamin, Adorno und die Situationistische Internationale
 
26.02.2013
Hölderlin und die Versteinerung der Revolutionäre

5.5.2013
Der Heiligen Schein des Kapitals. Zur Kritik von Religion und Religionskritik

 12.6.2013
Kunst, Widerstand, Geschichte – Peter Weiss und die Ästhetik

24.6.2013
Religiöse Präferenzen, Identifikation und Abgrenzung am Beispiel der Pfingsbewegung in Argentinien

10.7.2013
Der Materialismus und die Auferstehung

17.7.2013
Hexenjagden heute – Ideologie und Verfolgungspraxis

15.10.2013
Die späte Ästhetik Georg Lukács’ und ihre “Vorgeschichte”

10.12.2013
Religionskritik bei Hegel, Feuerbach und Marx

Vortragsreihe Lateinamerika (Solidaridad e.V): “Abhängigkeiten”

Zur vergangenen Reihe „Tradition oder Moderne? Zur Aktualität der Aufklärung im Nahen Osten“

Zur vergangenen Reihe „Was tun? Zum Verhältnis von Theorie und Praxis“

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Vergangenes

Alternatives Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2010/11

Alternatives Vorlesungsverzeichnis Sommersemester 2011

Alternatives Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2011/12

Alternatives Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2012/13

Alternatives Vorlesungsverzeichnis Sommersemester 2014

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